Die politische Leidenschaft ist diesen November besonders auffällig, denn Uruguay bereitet sich auf die Stichwahl im Kampf um das Präsidentenamt vor. Laut Umfragen steht das Ergebnis eigentlich schon fest. Tabaré vom Parteienbündnis Frente Amplio, ein Zusammenschluss von Gruppierungen, die von Sozialdemokraten bis zu Marxisten reichen, wird die Wahl gewinnen, und damit wird die Frente Amplio zum dritten Mal in Folge den Präsidenten stellen. Trotz der unspektakulären Konstellation - Tabaré war vor fünf Jahren schon Präsident - ist die Wahl den Uruguayos so wichtig. Vielleicht liegt das daran, dass in diesem kleinen Land die Politiker näher an der Bevölkerung sind. Oder daran, dass Uruguay eine Militärdiktatur überwunden hat, bei der 30000 Menschen (das ist fast 1% der Bevölkerung) ermordet wurden, sodass Demokratie als bewahrenswerte Errungenschaft angesehen wird und Teilhabe am politischen Leben geschaetzt wird.
Für den Uruguayo scheint es egal zu sein, ob er sich im Fußballstadion oder im Wahlkampf befindet, Hauptsache, man ist mit Leidenschaft dabei.
Nachtrag 1: Es ist der Vorabend der Wahlen: Vor den Alkoholregalen im Supermarkt hängt ein großes Plakat: Aufgrund eines Gesetzes darf vom Vorabend bis zur Schließung der Wahllokale kein Alkohol verkauft werden. Ähnlich ist es in der Bar, mein Bier befindet sich in einem Plastikbecher und ist offiziell gar kein Bier, die Flasche bleibt hinter dem Tresen. Die Jugend auf der Straße beeindruckt dieses Gesetz wenig; sie laufen mit Literflaschen des hiesigen Pilsen in ihren Badeschlappen herum.
Nachtrag 2: Ende des Wahltags. Tabaré Vasquez hat mit großem Abstand die Wahl gewonnen. Das Kleinstädtchen Colonia del Sacramento erwacht aus seinem Sonntagsschlaf. Autocorsos mit Parteifahnen, Menschenmassen auf dem Platz, die die Parteihymne grölen. Man könnte meinen, Uruguay sei Fußballweltmeister geworden.


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