So sparsam das so katholische Argentinien mit christlichen
Feiertagen ist, so großzügig beschert es seinen Bewohnern nationale Feiertage.
Dabei ist nicht nur die Vielfalt der Gedenkanlässe beachtlich, sondern auch das
Ringen um die angemessene Interpretation und die Art und Weise, eine nationale
Einheit heraufzubeschwören. Hier
ein paar Beispiele aus dem Herbst:
24. März:
Día Nacional de la memoria por la Verdad y la Justicia
Kaum sind die Karnevalstage zu Ende, schließt sich dieser
ernste arbeitsfreie Tag an. Er erinnert an die letzte Diktatur, die am 24. März
1976 mit einem Militärputsch begann. Mit Gedenkveranstaltungen in den
ehemaligen Kommandanturen, Gefängnissen und Folterstätten, die inzwischen zu
Gedenkstätten und Dokumentationszentren umgewandelt wurden, wird des
Staatsterrorismus, der Menschenrechtsverletzungen, der Verhafteten,
Verschwundenen und Ermordeten gedacht, sowie gemahnt, den demokratischen Weg
fortzusetzen. Gleichzeitig fällt das Bemühen der Politiker auf, die
Vergangenheit in ihrem Sinne zu interpretieren. Gehörte in den frühen 2000ern das
Mahnen an die Gräueltaten der Diktatur zum offiziellen Regierungsprogramm der
Ära Kirchner, so ist es nun zum politischen Mainstream geworden. Eine
überwältigende Mehrheit der Argentinier hat eine negative Sicht auf die letzte
Diktatur. Die Ex-Präsidentin und Oppositionelle Cristina Kirchner nutzte den
Gedenktag dieses Jahr, indem sie mit einer verbalen Ohrfeige gegen die aktuelle
Regierung twitterte: „24. März 1976 – 24. März 2019: Zerstörung der nationalen
Industrie, Zunahme der Armut und Verfolgung von Oppositionellen. Dieselbe
Politik, dieselben Ergebnisse“. Diese Gleichsetzung von Diktatur und der
aktuellen Politik wäre in anderen Ländern wohl als politisch unkorrekt
durchgefallen. Hier erregt es einfach nur das Aufsehen, das die Verfasserin
wohl auch beabsichtigt hat.
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| "Die Entschlossenheit der Kopftücher" - eine Referenz an die mutigen Großmütter, die ihre während der Diktatur verschwundenen Enkelkinder zurückforderten |
Interessant ist auch die Diskussion um die Zahl der Opfer:
Überall ist auf Graffitis und bei Demonstrationen von „30.000 desaparecidos“
(Verschwundenen) die Rede, von dieser Zahl ist überall zu lesen, wenn von der
Diktatur die Rede ist. Andere Stimmen behaupten, namentlich nachgewiesen sei „nur“
eine Zahl von 9000 Opfern, die Zahl 30.000 sei symbolisch und pauschal
angegeben worden, weil dies der völkerrechtlichen Definition für einen Genozid
entspreche, und man somit Unterstützungsleistungen fordern könne - eine nicht
belegte Behauptung.
2. April:
Día del Veterano y de los Caídos en la Guerra de las Malvinas
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| Das Malvinas-Monument in Córdoba |
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| Das Malvinas-Monument im Örtchen Los Antiguos |
Der beeindruckende Dokumentarfilm „Teatro la Guerra“
zeichnet eine arrangierte Begegnung von sechs Kriegsveteranen nach, von drei
Briten und drei Argentiniern. Sie teilen Erinnerungen, stellen Schlachtplätze
in einem dramenpädagogischen Setting nach und erzählen von ihren Gefühlen. Zu
einer wirklichen Annäherung der beiden Gruppen kommt es nicht.
25. Mai:
Día de la Revolución de Mayo
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| Das Leben ist nichts, wenn man die Freiheit verliert. |
Auch wenn es bis zur Gründung der argentinischen Republik
noch bis 1816 dauern sollte, markiert der 25. Mai 1810 einen wichtigen Tag in
der argentinischen Geschichte. In der Mai-Revolution behaupteten sich die
argentinischen Kräfte gegenüber dem spanischen Vizekönig und seinen Truppen und
eine erste unabhängige argentinische Regierung wurde eingesetzt. Während der
freie Tag im Familienkreis mit einem locro, einem Eintopf, der bei den
kälter werdenden Tagen aufwärmt, begangen wird, ist er auch zugleich „Tag des
Vaterlands“, sodass er zur Reflexion der Frage anhält, was eigentlich das Konzept
„Vaterland“ ausmacht. Vaterland sei die Verbundenheit durch gemeinsame Werte
und Solidarität, ist zu hören. Wenn es um „Vaterland“ geht, fallen mir als
Außenstehendem Widersprüche auf. Einerseits der Stolz auf das Vaterland,
andererseits das Schimpfen darauf, dass in diesem Land nichts funktioniere,
dass in Europa alles besser sei, dass die Korruption alles kaputt mache, dass
die Menschen überall ihren Müll liegen lassen und ihr Auto parken, wo sie
wollen. Es wäre doch besser, wenn viele Menschen ihren Patriotismus dadurch
zeigen würden, indem sie einfach mal ihre Steuern zahlen. Wie geht das
zusammen? Ich kann mir nur erklären, dass in diesem Land, wo die Vorfahren der
meisten Bewohner Immigranten waren, das Bedürfnis oder auch die Notwendigkeit
groß war, einen gemeinsamen Wertekonsens und ein Nationalgefühl herzustellen,
auch wenn die Wirklichkeit dem Ideal wohl kaum entspricht.
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| Die Schüler sammelten ihre Assoziationen zu den verschiedenen Provinzen Argentiniens und versahen sie mit den entsprechenden Illustrationen. Recht leer blieb die Fläche zur Provinz La Pampa. |














