Freitag, 5. Dezember 2014

Cambio cambio (Argentinien)

Argentinien ist seit einiger Zeit wirtschaftsgebeutelt. Die Währung verfällt, Auslandsschulden sind kaum zurückzuzahlen und wer Geld hat, parkt dieses auf Dollarkonten in Uruguay. Die Regierung will verhindern, dass Dollars das Land verlassen, sodass man (anders als in anderen lateinamerikanischen Ländern) keine Dollars vom Geldautomaten ziehen kann. Der offizielle Wechselkurs beträgt 8,5 Pesos zu einem Dollar, doch daneben hat sich ein Parallelmarkt (el paralelo) gebildet: Der inoffizielle Wechselkurs schwankt zwischen 11 und 14 Pesos pro Dollar und wird sogar in Nachrichten und Zeitungen bekanntgegeben. Die größte Banknote in Argentinien ist der 100 Peso-Schein (auch wenn er nicht viel wert ist), er ist blau und deshalb ist vom "dólar blue" die Rede.



Der in Argentinien Reisende betritt folglich das Land mit einer Handvoll Dollar bewaffnet, um sich im paralelo einen günstigen Wechselkurs für seine Pesos zu erschleichen. Er schaut sich in der Calle Florida, einer eher uncharmanten Fußgängerstraße, um und erblickt am Straßenrand zahlreiche recht unseriös aussehende Herren, die "Cambio cambio change" rufen. Hat man die am wenigsten sinister dreinschauende Personen ausgewählt und ist mit ihrem Wechselkurs einverstanden, geht es über Treppen, Rolltreppen und Gänge in die Hinterwelt des paralelo. In einem barackigen Hinterzimmer, genannt "cueva" Höhle), sitzt ein geschäftiger Mensch, berechnet die Summe an Pesos, die du für deine Dollars erhältst, und zählt die Scheine dreimal nach, zweimal mit der Zählmaschine, einmal manuell. Wenn alles gutgeht, sind keine gefälschten Banknoten dazwischen...

1 Kommentar:

  1. Aua, das klingt ja nach Urlaub in einem korrupten Pleitestaat. Da hättet Ihr ja gleich nach Südamerika fahren können. Schon mal mit Euros probieret?

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