Dieses kleine Land mit nur 3 1/2 Millionen Einwohnern erregt in vielerlei Hinsicht Aufmerksamkeit:
1. José Mujica
José Mujica, genannt Pepe, ist der weltberühmte Präsident Uruguays. Während der Diktatur war er Guerillakämpfer, was ihm 14 Jahre Gefängnis einbrachte, bis zu seiner Freilassung zu Demokratiezeiten. Er verzichtet darauf, in der Präsidentenvilla zu wohnen, statt dessen lebt er auf seiner Farm. Ebenso verzichtet er auf einen Großteil seines Gehalts, 90% spendet er an Charity-Organisationen und NGOs. Viele Uruguayos in diesem kleinen Land wissen, wo er zu Mittag isst, und man sieht ihn in seinem hellblauen VW Käfer herumfahren.
Jetzt stehen die neuen Präsidentschaftswahlen an. Da der Präsident laut Verfassung nicht wiedergewählt werden kann, hat sich der 77jährige Pepe ein neues Ziel gesetzt: Er möchte Kürbisse züchten.
2. Marihuana ist hier legalisiert. Man kann sich registrieren lassen, um in der Apotheke kleine Mengen zu einem staatlich festgelegten Preis zu erhalten. Offenbar kann man auch in der einen oder anderen Bäckerei nach einem "speziellen Brownie" fragen, der einem dann als "Bückware" überreicht wird.
3. Das Bildungsministerium hat eine Kommission beauftragt, Richtlinien zum Umgang mit sexueller Vielfalt zu erarbeiten. Im Entwurf steht, Lehrer sollen dazu ermutigt werden, sich vor der Klasse zu outen ("salir del armario"), um Schülern Möglichkeiten der Identifikation zu bieten.Schülern mit Trans-Identität soll erlaubt werden, ihren Vornamen zu ändern und die Toilette ihres Wunschgeschlechts aufzusuchen.
Freitag, 7. November 2014
Donnerstag, 6. November 2014
Vom Mate (Uruguay)
Es ist schon merkwürdig , dass sich gerade in Uruguay die Tradition des Mate-Schlürfens verbreitet hat, kommt das Getränk doch von den indigenen Kulturen der Guarani und Quetchua, und diese sind hier quasi nicht sichtbar. Eigentlich heißt das Kraut, das die Grundlage, bildet Yerba und es wird noch nicht einmal in Uruguay angebaut, sondern in Brasilien.
Man benötigt Yerba, einen Holzbecher, der eigentlich Mate heißt und ursprünglich aus ausgehöhlten Kürbissen hergestellt wurde. Dann noch ein Trinkrohr aus Metall, die Bombilla, und eine Thermoskanne mit heißem Wasser.
Der Uruguayo beginnt im Alter von 12-14 Jahren mit dem Matetrinken und hört damit sein Leben lang nicht mehr auf. Das wundert auch nicht: Der Trank ist stark und bitter, ein Suchtfaktor scheint garantiert. Wem es gar nicht schmeckt, der fügt Zucker hinzu. Im Durchschnitt konsumiert ein Uruguayo einen Liter vormittags und einen nachmittags.
Das Straßenbild ist vollkommen von dieser Tradition geprägt. Jeder zweite Uruguayo läuft mit dem Matebecher die Straße entlang, unter den Arm klemmt er sich die Thermoskanne. Immer wieder bleibt er stehen, um Wasser nachzugießen und zu schlürfen. Ich weiß nicht, ob ich dieses Erscheinungsbild lässig, kultig oder einfach nur umständlich finden soll...
Man benötigt Yerba, einen Holzbecher, der eigentlich Mate heißt und ursprünglich aus ausgehöhlten Kürbissen hergestellt wurde. Dann noch ein Trinkrohr aus Metall, die Bombilla, und eine Thermoskanne mit heißem Wasser.
Der Uruguayo beginnt im Alter von 12-14 Jahren mit dem Matetrinken und hört damit sein Leben lang nicht mehr auf. Das wundert auch nicht: Der Trank ist stark und bitter, ein Suchtfaktor scheint garantiert. Wem es gar nicht schmeckt, der fügt Zucker hinzu. Im Durchschnitt konsumiert ein Uruguayo einen Liter vormittags und einen nachmittags.
Das Straßenbild ist vollkommen von dieser Tradition geprägt. Jeder zweite Uruguayo läuft mit dem Matebecher die Straße entlang, unter den Arm klemmt er sich die Thermoskanne. Immer wieder bleibt er stehen, um Wasser nachzugießen und zu schlürfen. Ich weiß nicht, ob ich dieses Erscheinungsbild lässig, kultig oder einfach nur umständlich finden soll...
Donnerstag, 23. Oktober 2014
Über Transportmittel
1. Regeln
Schild in einem Überlandbus in Costa Rica:
"Bitte blockieren Sie den Gang nicht mit Objekten, z.B. mit Bananenstauden."
Schild im Transmilenio-Bus in Bogotá:
"Reisen Sie ohne Waffen."

Ansage in der Metro in Medellín:
"Respektieren Sie die Frauen."
2. Originelle Transportmittel
Medellín verfügt nicht nur über eine Metro, sondern auch über drei Seilbahnlinien. Sie dienen nicht etwa der Belustigung, sondern dazu, die unterprivilegierten, ärmeren Viertel auf den Hängen an das Zentrum anzubinden. Gondel reiht sich an Gondel, keine Wartezeiten, ich schwebe hoch über der Stadt, unter mir ein Meer aus Wellblechdächern. Immerhin sind die Häuser gemauert und es gibt asphaltierte Straßen.
Eine andere Idee, um den Bewohnern das mühsame Besteigen der Hügel bis zu ihren Häusern zu ersparen, war die Installation von Rolltreppen in der Stadt. Es ist unglaublich, welchen Aufschwung die Medellín in den letzten 20 Jahren erreicht hat, die innovativen Verkehrskonzepte sind Teil davon.
3. Taxifahren
In Bogotá verwende ich die Taxi-App "Tappsi". Du gibst deinen Standort ein, und schon bald erscheinen der Name des Taxifahrers, dessen Bewertung durch andere Kunden, das Nummernschild und die Wartezeit auf dem Display. Das garantiert guten Service und Sicherheit. Ein Tarifrechner zeigt dir an, wieviele Einheiten auf dem Taxameter welchem Fahrpreis entsprechen. Beschwerden können online gemeldet werden.
Ruft man einfach so ein Taxi von der Straße, so kann es vorkommen, dass man, wenn man die Fahrt mit 20000 Pesos bezahlt, der Taxifahrer das Geld entgegennimmt, anschließend eine 2000 Peso-Banknote hochhält und behauptet, man habe ihm nur 2000 Pesos gegeben.
Taxifahrer in Kolumbien hören gern laute Musik und bei Nacht werden rote Ampeln eher als Vorschlag, die Kreuzung mit Vorsicht zu überqueren denn als Verkehrsregel betrachtet.
4. Busfahren in Kolumbien
Die Landschaft ist zerklüftet, die Straßen winden sich endlos die Berge hoch, auf ihnen schleppen sich Schlangen von Lkws mühsam voran. Hinter ihnen der Reisebus mit wenigen Möglichkeiten des Überholens, dafür mit umso mehr Möglichkeiten, die atemberaubenden Ausblicke zu genießen. Die Fahrt von Medellín nach Bogotá dauert 12 1/2 Stunden bei einer Entfernung von 400km.
Die Fahrzeit verkürzen einem die zahlreichen Straßenverkäufer, die den Bus besteigen und das immer gleiche Ritual vollziehen: Diesmal ist es ein Schokoladenverkäufer. Er geht den Gang hinunter und legt jedem Fahrgast eine Tafel Schokolade in den Schoß. Die Gäste studieren die Schokolade intensiv oder halten sie lediglich verlegen in den Händen. Inzwischen hat sich der Verkäufer wieder vorne positioniert und setzt zur großen Rede an, wie es überhaupt den kolumbianischen Verkäufern liegen zu scheint: Es handele sich um brasilianische Schokolade, es gebe drei Sorten, dunkle Schokolade, weiße Schokolade, Mandel, man könne sie auf der Fahrt genießen oder seiner Verlobten als Geschenk mitbringen, eine Tafel für 5000 Pesos, drei für 10000 Pesos, vielen Dank für die Aufmerksamkeit, er habe nicht stören wollen, aber er müsse eben seine Familie ernähren. Danach sammelt er die Tafeln wieder ein, während einige Fahrgäste zum Kauf verführt werden konnten.
Auf solch einer Fahrt habe ich die Möglichkeit, Schokolade, Nüsschen, gesalzene Mango, Limonade, Zuckerwatte, Empanadas, Feuchtigkeitscreme und eine Sonnenbrille zu erwerben.
Schild in einem Überlandbus in Costa Rica:
"Bitte blockieren Sie den Gang nicht mit Objekten, z.B. mit Bananenstauden."
Schild im Transmilenio-Bus in Bogotá:
"Reisen Sie ohne Waffen."

Ansage in der Metro in Medellín:
"Respektieren Sie die Frauen."
2. Originelle Transportmittel
Medellín verfügt nicht nur über eine Metro, sondern auch über drei Seilbahnlinien. Sie dienen nicht etwa der Belustigung, sondern dazu, die unterprivilegierten, ärmeren Viertel auf den Hängen an das Zentrum anzubinden. Gondel reiht sich an Gondel, keine Wartezeiten, ich schwebe hoch über der Stadt, unter mir ein Meer aus Wellblechdächern. Immerhin sind die Häuser gemauert und es gibt asphaltierte Straßen.
Eine andere Idee, um den Bewohnern das mühsame Besteigen der Hügel bis zu ihren Häusern zu ersparen, war die Installation von Rolltreppen in der Stadt. Es ist unglaublich, welchen Aufschwung die Medellín in den letzten 20 Jahren erreicht hat, die innovativen Verkehrskonzepte sind Teil davon.
3. Taxifahren
In Bogotá verwende ich die Taxi-App "Tappsi". Du gibst deinen Standort ein, und schon bald erscheinen der Name des Taxifahrers, dessen Bewertung durch andere Kunden, das Nummernschild und die Wartezeit auf dem Display. Das garantiert guten Service und Sicherheit. Ein Tarifrechner zeigt dir an, wieviele Einheiten auf dem Taxameter welchem Fahrpreis entsprechen. Beschwerden können online gemeldet werden.
Ruft man einfach so ein Taxi von der Straße, so kann es vorkommen, dass man, wenn man die Fahrt mit 20000 Pesos bezahlt, der Taxifahrer das Geld entgegennimmt, anschließend eine 2000 Peso-Banknote hochhält und behauptet, man habe ihm nur 2000 Pesos gegeben.
Taxifahrer in Kolumbien hören gern laute Musik und bei Nacht werden rote Ampeln eher als Vorschlag, die Kreuzung mit Vorsicht zu überqueren denn als Verkehrsregel betrachtet.
4. Busfahren in Kolumbien
Die Landschaft ist zerklüftet, die Straßen winden sich endlos die Berge hoch, auf ihnen schleppen sich Schlangen von Lkws mühsam voran. Hinter ihnen der Reisebus mit wenigen Möglichkeiten des Überholens, dafür mit umso mehr Möglichkeiten, die atemberaubenden Ausblicke zu genießen. Die Fahrt von Medellín nach Bogotá dauert 12 1/2 Stunden bei einer Entfernung von 400km.
Die Fahrzeit verkürzen einem die zahlreichen Straßenverkäufer, die den Bus besteigen und das immer gleiche Ritual vollziehen: Diesmal ist es ein Schokoladenverkäufer. Er geht den Gang hinunter und legt jedem Fahrgast eine Tafel Schokolade in den Schoß. Die Gäste studieren die Schokolade intensiv oder halten sie lediglich verlegen in den Händen. Inzwischen hat sich der Verkäufer wieder vorne positioniert und setzt zur großen Rede an, wie es überhaupt den kolumbianischen Verkäufern liegen zu scheint: Es handele sich um brasilianische Schokolade, es gebe drei Sorten, dunkle Schokolade, weiße Schokolade, Mandel, man könne sie auf der Fahrt genießen oder seiner Verlobten als Geschenk mitbringen, eine Tafel für 5000 Pesos, drei für 10000 Pesos, vielen Dank für die Aufmerksamkeit, er habe nicht stören wollen, aber er müsse eben seine Familie ernähren. Danach sammelt er die Tafeln wieder ein, während einige Fahrgäste zum Kauf verführt werden konnten.
Auf solch einer Fahrt habe ich die Möglichkeit, Schokolade, Nüsschen, gesalzene Mango, Limonade, Zuckerwatte, Empanadas, Feuchtigkeitscreme und eine Sonnenbrille zu erwerben.
Donnerstag, 16. Oktober 2014
Das Mädchen aus Medellín (Kolumbien)
Hallo, ich bin Suzie, eine waschechte Paisa; das bedeutet, dass ich ein Mädchen aus Medellin bin. Wir Paisas sind schon was Besonderes: In ganz Kolumbien werden wir von den Männern bewundert. Wir sind nicht so gertenschlank wie die arroganten Bogotanas, nein, wir mögen es etwas rundlicher um die Hüfte, und unsere Oberweite zeigen wir den Chicos gern. Unsere Haut ist auch etwas heller, ich bin sogar blond, ist naturblond, ich schwöre! Die Bogotanos sagen, wir alle würden uns Schönheitsoperationen unterziehen, aber die sind ja bloß neidisch. Ich war noch nie beim Chirurg, und wenn doch, ich würd's ja nie zugeben.
Tagsüber geh ich meistens auf die Plaza Botero, da ist eigentlich immer was los. Schuhputzer, Saftverkäufer, Souvenirstände, ich hab hier ein paar Freunde, auch wenn die Konkurrenz hart ist. Ich verkaufe Kaugummis, eine Packung für 200 Pesos, drei für 500. Bei dem Preis kann man doch nicht meckern, oder? Viel kommt am Ende eines Tages nicht rum, aber seit mein Mann mich in die Wüste geschickt hat, hab ich keine andere Wahl. Schliesslich hängt mir mein Sohn auch noch auf der Tasche. Mit 16 könnte der jetzt eigentlich mal dazuverdienen, der faule Schlunzi...
Mein grosser Traum ist es, dass mich doch mal einer der Gringos, die über den großen Platz schlendern, von der Stelle wegheiratet. Gestern war da wieder einer. Als ich ihm Kaugummis andrehen wollte, hat er mir zuerst seine eigene Packung Chiclettes gezeigt. Der Frechdachs, der dachte wohl, ich krieg ihn nicht, da hab ich ihm zunächst einen Klaps auf den Arm verpasst. Als er sich dann aber auf die Bank setzte, hab ich alle Register gezogen. Hab mich vor ihm aufgebaut, mit meinen blonden Haaren gespielt, er musste mir immer in den Ausschnitt gucken, so nah stand ich vor ihm. Dann meine übliche Tour: wie gut er aussieht, wo er denn herkommt - oh, aus Deutschland, da läuft die Wirtschaft doch gut. Und dann mein Sohn, den ich ernähren muss. Ob er überhaupt verheiratet waer, wollte ich wissen. Er hätte ne Frau in Deutschland, hat er gesagt, geglaubt hab ich ihm das nicht. Naja, schließlich hat er mir dann doch noch ein paar Kaugummis abgekauft. Warum er mit mir nichts anfangen konnte, keine Ahnung! Ne schlechte Partie sind wir Mädels aus Medellín jedenfalls nicht.
Tagsüber geh ich meistens auf die Plaza Botero, da ist eigentlich immer was los. Schuhputzer, Saftverkäufer, Souvenirstände, ich hab hier ein paar Freunde, auch wenn die Konkurrenz hart ist. Ich verkaufe Kaugummis, eine Packung für 200 Pesos, drei für 500. Bei dem Preis kann man doch nicht meckern, oder? Viel kommt am Ende eines Tages nicht rum, aber seit mein Mann mich in die Wüste geschickt hat, hab ich keine andere Wahl. Schliesslich hängt mir mein Sohn auch noch auf der Tasche. Mit 16 könnte der jetzt eigentlich mal dazuverdienen, der faule Schlunzi...
Mein grosser Traum ist es, dass mich doch mal einer der Gringos, die über den großen Platz schlendern, von der Stelle wegheiratet. Gestern war da wieder einer. Als ich ihm Kaugummis andrehen wollte, hat er mir zuerst seine eigene Packung Chiclettes gezeigt. Der Frechdachs, der dachte wohl, ich krieg ihn nicht, da hab ich ihm zunächst einen Klaps auf den Arm verpasst. Als er sich dann aber auf die Bank setzte, hab ich alle Register gezogen. Hab mich vor ihm aufgebaut, mit meinen blonden Haaren gespielt, er musste mir immer in den Ausschnitt gucken, so nah stand ich vor ihm. Dann meine übliche Tour: wie gut er aussieht, wo er denn herkommt - oh, aus Deutschland, da läuft die Wirtschaft doch gut. Und dann mein Sohn, den ich ernähren muss. Ob er überhaupt verheiratet waer, wollte ich wissen. Er hätte ne Frau in Deutschland, hat er gesagt, geglaubt hab ich ihm das nicht. Naja, schließlich hat er mir dann doch noch ein paar Kaugummis abgekauft. Warum er mit mir nichts anfangen konnte, keine Ahnung! Ne schlechte Partie sind wir Mädels aus Medellín jedenfalls nicht.
Montag, 13. Oktober 2014
Die kleinen Soldaten (Kolumbien)
Sie stehen auf der Ecke Carrera 4 # Calle 12, 24 Stunden lang. Die Calle 12 führt Richtung Parlament und Präsidentenpalast, die Soldaten beschützen die Demokratie, und wenn es sein muss, auch mich in den halbbeleuchteten Straßen bei Nacht.
Sie sind vielleicht 18, tragen Zahnspangen und haben Bartflaum, mal stehen sie gelangweilt herum, mal chatten sie über Whatsapp, mal unterhalten sie sich und ganz selten fragt ein Tourist sie nach dem Weg. Sie tragen schwere Maschinengewehre über der Schulter und angesichts ihrer unbeschwerten Jugend weiß man nicht, ob man sich mit ihnen und ihren schweren Waffen oder ohne sie sicherer fühlen soll.
Junge Soldaten sind in Kolumbien immer präsent. Der Militärdienst beträgt ein bis zwei Jahre, hinzu kommen Sozialstunden, die die jungen Leute z.B. in der Jugend- oder Altenaebeit absolvieren müssen. Trotz der derzeitigen Friedenszeit macht sich die Vergangenheit bemerkbar, in der das Land im Krieg mit sich selbst war. Passkontrollen vor der Busstation, Straßensperren, Löschen von Bränden und unglaublich viel Zeit des Herumstehens und Nichtstuns. Dennoch bleibt bei mir das Gefühl des Willkommenseins, ein freundlicher Gruß oder einfach nur ein erhobener Daumen, der mir lächelnd entgegenwinkt.
Sie sind vielleicht 18, tragen Zahnspangen und haben Bartflaum, mal stehen sie gelangweilt herum, mal chatten sie über Whatsapp, mal unterhalten sie sich und ganz selten fragt ein Tourist sie nach dem Weg. Sie tragen schwere Maschinengewehre über der Schulter und angesichts ihrer unbeschwerten Jugend weiß man nicht, ob man sich mit ihnen und ihren schweren Waffen oder ohne sie sicherer fühlen soll.
Junge Soldaten sind in Kolumbien immer präsent. Der Militärdienst beträgt ein bis zwei Jahre, hinzu kommen Sozialstunden, die die jungen Leute z.B. in der Jugend- oder Altenaebeit absolvieren müssen. Trotz der derzeitigen Friedenszeit macht sich die Vergangenheit bemerkbar, in der das Land im Krieg mit sich selbst war. Passkontrollen vor der Busstation, Straßensperren, Löschen von Bränden und unglaublich viel Zeit des Herumstehens und Nichtstuns. Dennoch bleibt bei mir das Gefühl des Willkommenseins, ein freundlicher Gruß oder einfach nur ein erhobener Daumen, der mir lächelnd entgegenwinkt.
Samstag, 4. Oktober 2014
Luis Alberto Acuña (Kolumbien)
Der Maler, Bildhauer und Kunstsammler Luis Alberto Acuña wurde 1904 in Suaíta Santander geboren. Reisen fuehrten ihn nach Paris und Deutschland. Er schloss sich der kuenstlerischen Bewegung Bachué an, die sich als Reaktion auf den ersten Weltkrieg und die mexikanische Revolution von der Kunst der indigenen Kulturen beeinflussen liess. So mischt sich Zivilisationskritik mit der Faszination fuer die Mythen der indigenen Kulturen.
Interessant ist die Gegenueberstellung zweier Wandgemaelde: Das erste zeigt die Gruendung des Ortes Villa de Leyva durch die siegreichen Spanier.Ob dieses Werk von Acuña selbst stammt, weiss ich nicht.
Ein zweites, uebergrosses Wandgemaelde, das einen Innenhof ziert, zeigt die Entstehung der Welt gemaess dem Schoepfungsmythos der Chibcha: Der Schoepfergott Chiminigagua laesst schwarze Voegel aufsteigen, deren Schnaebel den Himmel zum Leuchten bringen. Links daneben der See von Iguaque, in dem Bachué, so eine Art Urmutter, steht.
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| Der Philosoph als Verkoerperung des Fortschritts? |
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| La fundación de Villa de Leyva |
Observatorio Solar Muisca (Kolumbien)
Unweit von Villa de Leyva entfernt befindet sich eine jahrtausendealte Kultstätte der Muisca. Der erste Abschnitt erscheint dem europäischen Betrachter nicht ungewöhnlich: Zwei Reihen von Steinpfählen in Ost-West-Ausrichtung dienten offenbar der Bestimmung der Tag- und Nachtgleiche, ein lateinamerikanisches Stonehenge.
Erstaunlicher ist das sich anschließende Feld, auf dem sich riesige Steinpenise mit bis zu 4,50 m Größe tummeln. Die phallische Einsammlung wird heute als Ausdruck eines Fruchtbarkeitskultes gedeutet. Die Formen und Größen sind so unterschiedlich, als ob sich jeder Häuptling selbst in Stein habe verewigen wollen. Was die Frauen über diese Manifestation geballter Männlichkeit gedacht haben, wissen wir nicht. Abscheu? Faszination? Oder einfach nur Empörung über den männlichen Größenwahn?
Erstaunlicher ist das sich anschließende Feld, auf dem sich riesige Steinpenise mit bis zu 4,50 m Größe tummeln. Die phallische Einsammlung wird heute als Ausdruck eines Fruchtbarkeitskultes gedeutet. Die Formen und Größen sind so unterschiedlich, als ob sich jeder Häuptling selbst in Stein habe verewigen wollen. Was die Frauen über diese Manifestation geballter Männlichkeit gedacht haben, wissen wir nicht. Abscheu? Faszination? Oder einfach nur Empörung über den männlichen Größenwahn?
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