Donnerstag, 16. Oktober 2014

Das Mädchen aus Medellín (Kolumbien)

Hallo, ich bin Suzie, eine waschechte Paisa; das bedeutet, dass ich ein Mädchen aus Medellin bin. Wir Paisas sind schon was Besonderes: In ganz Kolumbien werden wir von den Männern bewundert. Wir sind nicht so gertenschlank wie die arroganten Bogotanas, nein, wir mögen es etwas rundlicher um die Hüfte, und unsere Oberweite zeigen wir den Chicos gern. Unsere Haut ist auch etwas heller, ich bin sogar blond, ist naturblond, ich schwöre! Die Bogotanos sagen, wir alle würden uns Schönheitsoperationen unterziehen, aber die sind ja bloß neidisch. Ich war noch nie beim Chirurg, und wenn doch, ich würd's ja nie zugeben.


Tagsüber geh ich meistens auf die Plaza Botero, da ist eigentlich immer was los. Schuhputzer, Saftverkäufer, Souvenirstände, ich hab hier ein paar Freunde, auch wenn die Konkurrenz hart ist. Ich verkaufe Kaugummis, eine Packung für 200 Pesos, drei für 500. Bei dem Preis kann man doch nicht meckern, oder? Viel kommt am Ende eines Tages nicht rum, aber seit mein Mann mich in die Wüste geschickt hat, hab ich keine andere Wahl. Schliesslich hängt mir mein Sohn auch noch auf der Tasche. Mit 16 könnte der jetzt eigentlich mal dazuverdienen, der faule Schlunzi...


 Mein grosser Traum ist es, dass mich doch mal einer der Gringos, die über den großen Platz schlendern, von der Stelle wegheiratet. Gestern war da wieder einer. Als ich ihm Kaugummis andrehen wollte, hat er mir zuerst seine eigene Packung Chiclettes gezeigt. Der Frechdachs, der dachte wohl, ich krieg ihn nicht, da hab ich ihm zunächst einen Klaps auf den Arm verpasst. Als er sich dann aber auf die Bank setzte, hab ich alle Register gezogen. Hab mich vor ihm aufgebaut, mit meinen blonden Haaren gespielt, er musste mir immer in den Ausschnitt gucken, so nah stand ich vor ihm. Dann meine übliche Tour: wie gut er aussieht, wo er denn herkommt - oh, aus Deutschland, da läuft die Wirtschaft doch gut. Und dann mein Sohn, den ich ernähren muss. Ob er überhaupt verheiratet waer, wollte ich wissen. Er hätte ne Frau in Deutschland, hat er gesagt, geglaubt hab ich ihm das nicht. Naja, schließlich hat er mir dann doch noch ein paar Kaugummis abgekauft. Warum er mit mir nichts anfangen konnte, keine Ahnung! Ne schlechte Partie sind wir Mädels aus Medellín jedenfalls nicht.

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