Am Nachmittag möchten Marta und ihre Mutter uns einen Einblick in die indigene Kultur der Region ermöglichen: Wir lernen José kennen. José und seine Familie gehören den Muisca an, die seit ca. 800 n.Chr. die Hochebene von Bogotá bewohnen. José setzt sich sehr dafür ein, die Traditionen seiner Kultur aufrechtzuerhalten und das Jahrhunderte alte Wissen weiterzugeben. Er baut im Ort ein Kultur- und Begegnungszentrum, doch ohne öffentliche Förderung geht es langsam voran. Die grünen Hänge oberhalb des Ortes Chia gehören seit jeher den Muisca. Da die Bogotanos, die aus der Großstadt entfliehen wollen, genau diese Hänge als mögliches Bauland mit schönem Fernblick entdeckt haben, ist das Territorium in Gefahr. Das Gesetz besagt zwar, dass die traditionellen Siedlungsgebiete Bestandsschutz haben, doch scheint wie so oft der Interpretationsspielraum sehr weit zu sein, die Stadtverwaltung tut wenig gegen die Bebauungspläne.
Wir betreten Josés schönes Grundstück am Hang. Oberhalb seines Wohnhauses steht eine Hütte mit Strohdach für die spirituelle Praxis. Man legt sich hinein, für Stunden oder Tage, um sich mit der Natur und dem Kosmos in Verbindung zu setzen. José erzählt viel von der Weltsicht der Muisca, präsentiert uns selbstgefertigte Instrumente, Kleidung und Keramik. Sein Anliegen, das Wissen seines Volkes zu verbreiten, erscheint uns so wichtig: Die Lebensphilosophie setzt auf Einklang zwischen Mensch und Kosmos, auf Bewahrung des Bestehenden, der Natur, und auf Fortsetzung der Traditionen, anstatt auf Fortschritt und ständige Weiterentwicklung, wie wir es in der aufklärerischen Tradition tun. Warum sollen wir uns nicht Anregungen von den. Muisca holen, um verantwortungsvoll mit unserer Umwelt umzugehen?


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