1) Im Transmilenio
Während in Europa jahrelang der Boden für umstrittene U-Bahn-Projekte aufgerissen wird, hat sich Bogotá für ein einfaches und effektives Schnellbussystem entschieden. Auf eigens für den ÖPNV angelegten Schnellspuren fahren lange Busse mit zwei Gelenken und halten im Minutentakt an Bahnsteigen mit modernen Türschleusen. Ich steige ein. Unüberschaubar, warum gerade dieser Bus auf der Überholspur an vier Haltestellen vorbeifährt, während andere Busse überall haltmachen.
Im Bus steht ein ca. 20jähriger Junge und beschallt die Fahrgäste mit der Geschichte seines "abuelito" (Großväterchen). Strahlende Gesichter in den Augen der aufmerksam zuhörenden Fahrgäste, am Ende spenden alle reichlich Applaus.
2) La Candelaria
Quadratische Straßenzüge enger, charmanter Altstadtstraßen. Enge Gehwege, auf denen sich Studenten und Professoren aneinander vorbeischlängeln, vorbei an Straßenständen (Lollies, Chips, Zigaretten im Einzelverkauf). Die Kleinbusse (Colectivos) rasen vorbei, bis unter die Decke mit Studenten gefüllt, und eine heftige Bleiwolke entlädt sich in der Straße. Ich beneide die Frau neben mir um ihren Mundschutz. Dabei immer den Blick nach unten gerichtet, um den Löchern im Gehweg auszuweichen.
3) Plaza del Periodista
Ein alter Mann nähert sich, ungepflegt, schlechte Zähne, und fragt uns, woher wir seien. Er sagt, Deutschland sei der kühle Norden, aber das Herz schlage in Kolumbien. Mit strahlenden Augen rezitiert er sein Gedicht über die Ferne, die Heimat und den Sitz des Herzens. Auch unsere Augen strahlen jetzt, und nun scheint der ganze Platz vor Poesie erstrahlen. Die größte Freude von allen hat jedoch der alte Mann, als er unsere glänzenden Augen sieht und ein paar Pesos annimmt.
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