In Buenos Aires und Córdoba gibt es Espacios Memoria (Erinnerungsräume), in denen die Zeit der argentinischen Militärdiktatur (1976-83) aufgearbeitet wird. Der weitläufige Gebäudekomplex in Buenos Aires war ursprünglich eine Militärakademie und diente zur Zeit der Diktatur als Headquarter, aber auch Inhaftierungen und Folterungen fanden dort statt. Auch in Córdoba ist die Ausstellung im ehemaligen Arrest- und Folterzentrum untergebracht.
Besonders beeindruckend in Buenos Aires ist das Gebäude, in dem die abuelas (Großmütter) geehrt werden, die schon während der Diktatur, aber auch nachher, ein wichtiges Zeichen setzten. Viele der Frauen, die als Oppositionelle Widerstand leisteten und deshalb verhaftet und getötet wurden, hatten kleine Kinder oder waren schwanger. Die Kinder wurden ihren Müttern weggenommen und an Regierungstreue zur Adoption freigegeben. Nach dem Tod der Eltern kämpften nun die abuelas dafür, dass ihre Enkelkinder, von denen jede Spur verloren war, wieder Kontakt zu ihnen bekommen und ihre wahre Herkunft erfahren. Auf dem Zentralplatz in Buenos Aires, der Plaza de Mayo, versammelten sich die abuelas schweigend mit weißen Kopftüchern und klagten die Diktatur an, indem sie Bilder ihrer verschwundenen Kinder und die ihrer Enkelkinder hochhielten. Auch heute noch halten sie dort Mahnwachen ab. Bis heute haben 166 (nun erwachsene) Waisen durch ihre Aktionen und Recherchen ihre wahre Identität erfahren. Wie schmerzlich muss es sein, die Nachricht zu erhalten, dass der vermeintliche Vater ein Adoptivvater und Täter in der Diktatur war, die Eltern aber ermordete Widerstandskämpfer waren.
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| die abuelas vom Plaza de Mayo |
Interessant auch die Fotoausstellung mit Aufnahmen von heute, in die Ereignisse desselben Ortes mit einschreitenden Militärs aus den 70ern hineinmontiert sind. Normale Straßenszenen erhalten so etwas Verstörend-Gespenstisches, indem uns vor Augen geführt wird, welche Grausamkeiten sich an derselben Stelle vor einigen Jahrzehnten ereigneten.
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| Fotomontagen |
Im Rande des Komplexes befindet sich das Museo de las Malvinas, in dem die Frage, zu wem die Falkland-Inseln denn nun eigentlich gehören sollen, erneut behandelt wird. Die Antwort liegt auf argentinischer Seite natürlich auf der Hand, doch ist die Darstellung differenziert. Der Krieg von 1982 wird in den Kontext der Militärdiktatur gestellt. Sie zeigt, wie jung und unerfahren die Soldaten waren und wie Kriegspropaganda versuchte, der Diktatur ein Stimmungshoch zu verschaffen.
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| Erinnerungsfotos der Desaparecidos |
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| Erinnerungsalben |
Nach der Diktatur fand unter dem Motto "nunca más!" (nie wieder!) eine Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen statt, die jedoch bald durch den Druck derMilitärs ausgebremst wurde, die sich für einen "Schlussstrich" einsetzten. Es war das Verdienst des Präsidenten Nestor Kirchner, dass ab 2003 die Klagen gegen die Täter und Recherchen über die desaparecidos wieder systematisch aufgenommen wurden.






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