Freitag, 13. Februar 2015

Plaza Brasil (Santiago de Chile)

Du bist palmengesäumt,
doch atmest du nicht
die klebrige Süße der Tropen.
Deine Luft ist staubig.



Du bietest Rast
den müden, grauen Gesichtern
nach zu langer Arbeit.
Aber auch die Besorgten,
die keine Arbeit haben,
ruhen und rauchen
in deinem Gras.



Deine Straßenhändler
mit unvermeidlichem Kitsch
sind geduldig.
Doch sogar den Roman
des verstorbenen Lemebel
bieten sie an.
Daneben die Bilder der Täter
aus finsterer Zeit,
das Bild allein klagt sie an.
Und wieder daneben
die Bilder derer,
die einst die Freiheit besangen.



Deine Nachbarin,
Hotel Julissa Expres,
sah tausende Menschen
kommen und gehen
für wenige selige Stunden,
dann wieder allein.
Die Concierge ist verhärmt,
ihr bitterer Humor
verflüchtigt sich in den Fluren.
"Der Preis beinhaltet ein Bier
oder ein Frühstück."
Die Bettwanzen aber,
sie wohnen woanders.



Du bietest dem Kaspar
eine bescheidene Bühne.
Wer rettet die Gretel?
Kinderaugen, entsetzt und verzückt;
sie bestürmen die Hüpfburg.
"Helado, heladooo",
"Mama, ein Eis."

Dein sonntäglicher Tanz
ist die Cueca,
leiernd im 3/4-Takt.
Die tücherschwingenden Paare
(nicht mehr tanzt die Frau einsam
wie zu Pinochets Zeiten)
erfinden die Schritte
jedesmal neu.





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