Die Stadt Ushuaia in Feuerland ist mehr als eine Destination nach dem Motto "bin dagewesen, abgehakt". Die spektakuläre Lage zwischen schneebedeckten Gipfeln und Beagle-Kanal, Wälder, Seen, Inselchen und intensiv erlebbares Wetter machen den Ort einzigartig.
Ushuaia macht viel Wirbel darum, der südlichste Ort der Welt zu sein, dabei ist das nur halb richtig: 1. Das chilenische Puerto Williams liegt noch südlicher, aber in Argentinien wird die Existenz Chiles gerne ausgeblendet, denn die argentinisch-chilenischen Beziehungen sind schwierig. 2. Von hier aus legen Kreuzfahrten zur Antarktis ab, von der sich auch Argentinien ein Tortenstück genehmigt. Ich halte diese Antarktisreisen für Unsinn. Die Reisenden begeistert es, dass es in der Antarktis so menschenleer ist, dabei bevölkern sie selbst zu Hunderten die Kreuzfahrtschiffe und hocken eng aufeinander.
Der zweite Wirbel dreht sich um die Malvinas (Falkland-Inseln). Ushuaia behauptet, seit 1982, also seit der Besetzung der Insel, die den Krieg gegen Großbritannien auslöste, Hauptstadt der Malvinas zu sein, obwohl diese bekanntlich britisch sind. Mit viel Pathos werden auf der Plaza de las Malvinas die argentinischen Soldaten gefeiert, Fotos zeigen Stolz und Leid im Krieg und Broschüren informieren mehrsprachig darüber, warum Argentinien der rechtmäßige Herr über diese bedeutungslose Inselgruppe ist. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass es der Militärdiktator Argentiniens war, der die Inseln besetzen ließ, da er wegen wachsenden innenpolitischen Widerstands einen spektakulären Erfolg brauchte (der im Misserfolg endete).
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| pathetische Widmung unter dem Denkmal: Die Stadt Ushuaia fuer diejenigen, die mit ihrem Blut die Wurzeln unserer Souveraenitaet über die Malvinas gossen. Wir werden zurueckkommen!!! |
Besser gefällt wir die differenzierte Darstellung über die Kultur der indigenen Yámana und ihr trauriges Verschwinden. Die Yámana waren eine kleine Bevölkerungsgruppe in Feuerland, sie lebten nackt, und europäische Reisende beschrieben sie als Menschen mit kräftigen Oberarmen und dünnen Beinchen, da sie sich vorwiegend in Einbäumen paddelnd fortbewegten. Sie lebten in einfachen Hütten aus Fellen der Seelöwen, und wenn ein toter Wal strandete, wurde alles Verwertbare genutzt.
Die Ankunft der Europäer läutete dann den Niedergang dieses Volkes ein. Die Siedler jagten Seelöwen, die Hauptnahrungsquelle der Yámana, in solchem Ausmaße, dass nur noch wenige Tiere überblieben. Die fettreiche Nahrung wurde rar. Als Teil des Zivilisierungsprozesses oder aus Mitleid gaben die Europäer den Indígenas gebrauchte Kleidung. Dadurch wurden nicht nur die Hygienegewohnheiten gestört - es war für die nackten Yámana ausreichend, sich vom Regen reinigen zu lassen -, sondern auch Krankheitskeime übertragen, sodass sich Masern und Tuberkulose ausbreiteten. Um 1900 gab es nur noch 100 Yámana, Fotografien erzählen von ihrem Leben, das sich immer mehr vom traditionellen Lebensstil entfernte. Heute sind diese Fotos und historische Rekonstruktionen das Einzige, was noch sichtbar ist.







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