Dienstag, 16. Dezember 2014

Extreme Leidenschaften (Argentinien)

Boca oder River?
Kirchner oder Macri?
Entscheide dich! Und vor allem sei Feuer und Flamme!

"Welches ist deine Lieblings-Fussballmannschaft?" - "Ich interessiere mich nicht so fuer Fussball." - "Ja, aber welches ist dein Team?" - "Ich habe keins." - "Ok, aber welcher Spieler gefaellt dir am besten?"

Gleichgültigkeit scheint in Argentinien ein unbekanntes Gefühl zu sein. Du musst Fußballfan sein, vorzugsweise entweder von Boca oder River Plate. Oder mach es wie der Papst und suche dir ein drittes Team, um den schlimmsten Rivalitäten auszuweichen, er ist Fan von San Lorenzo. Jeden Abend scheint irgendeine Mannschaft zu feiern, so erklären sich die vielen Feuerwerke, die abends zu hören sind. Oder die Fanscharen, die fahnendchwingend und tanzend vor den Kneipen ausrasten.

Trommeln fuer Cristina - auch im stroemenden Regen
Ähnlich leidenschaftlich geht es in der Politik zu. Am Tag der Demokratie (10. Dezember) feiern Peronisten, Kirchneristen, Gewerkschafter und weitere linke Gruppen das Ende der Demokratie. Die Regierung von Präsidentin Cristina Kirchner nutzt (missbraucht?) diesen Tag für ihren Wahlkampf. Hunderttausende versammeln sich in der Innenstadt, trommelnd, johlend, fahnenschwingend, um sie dabei zu unterstützen. auch strömender Regen kann sie nicht davon abhalten. Am Straßenrand kann man Bilder der Präsidentin erwerben, die madonnenhaft hinter der Staatsflagge steht. Das gleicht einem Dovotionalienhandel.


Ironischerweise musste dieses Jahr der Tag der Demokratie um 3 Tage nach hinten verschoben werden: Am 10. Dezember hatte River Plate ein internationales Pokalspiel, da wäre wohl keiner gekommen, um die Demokratie zu feiern. Am 12.12. wiederum ist für Boca Fantag (día de los hinchas - die Fans als 12. Spieler, welche Symbolik!), weshalb man den Fans von Boca das Stadtzentrum überlassen musste. Muss man sich also zwischen Politik und Fussball entscheiden, ist schon klar, welche Praemissen gesetzt werden.


Der Bürgermeister von Buenos Aires heißt Macri und vertritt eine neoliberale Politik. Die Stadt plant, die Zuschuesse fuer Jugendorchester zu kuerzen und vor allem einkommensschwachen Familien weniger Unterstützung beim Instrumentalinterricht zu gewähren. Im Park fand die entsprechende Reaktion darauf statt: Jugendliche und erwachsene Musiker versammelten sich im Park zu einem Protestkonzert, schimpften auf den Buergermeister und stellten ihre Existenzberechtigung durch ein wunderschoenes Parkkonzert unter Beweis.




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