Dienstag, 6. Januar 2015

Felices fiestas (Argentinien/ Chile)


Pünktlich nach Halloween sprießen die Plastikweihnachtsbäume in den Shoppingmalls in die Höhe. Multimediale Weihnachtsinstallationen mit Sohn und Tochter im Vordergrund sind ein beliebtes Fotomotiv. Der Weihnachtsbaum vor der Casa Rosa, dem Domizil der argentinischen Präsidentin besticht weder durch Bescheidenheit noch durch Geschmack.
Schließlich ist es Heiligabend (buena noche): Die Shoppingmall hat nach einem 24-Stunden-Shoppingmarathon tatsächlich geschlossen, und Friede kehrt ein.

Der haesslichste Weihnachtsbaum steht bei der Praesidentin vor der Haustuer

Während Bilder aus Deutschland über Whatsapp mit den gewohnten Motiven der Besinnlichkeit und Bescherung auf meinem Smartphone eintrudeln, sitze ich in Shorts, T-Shirt und Badeschlappen am Tisch, esse Oliven und bin gespannt, was passieren wird. In Argentinien beginnen die Abende spät, das gilt auch für heilige Abende, denn gegessen wird ab zehn. Schließlich folge ich der Einladung aus der Nachbarschaft in ein kleines Restaurant. Eigentlich ist es geschlossen, nur für die Familie und Nachbarn ist ein großer Tisch gedeckt, an dem schon viele sitzen. Wir machen uns über die Fleischberge her, Rind, Haehnchen, Zunge... Kurz vor 12 wird die Geschellschaftr ganz aufgeregt, als sei schon Sylvester: Wir zählen die Sekunden bis zur Weihnacht herunter, es wird gejubelt, dann gibt's Sekt, und jeder wünscht einander "feliz navidad", mit dem obligatorischen Küsschen auf die rechte Wange, egal ob Männlein oder Weiblein. Jetzt schnell auf die Dachterrasse, es gibt Feuerwerk ueber den Daechern der Stadt, danach eine Open-Air-Party, Marcelo legt auf. Als ich um drei ins Bett gehe, kommen immer noch Gäste die Treppe herauf.



So ausgelassen der Heiligabend in Argentinien begangen wird, so privat geht es an Sylvester in Chile zu. Zwar kann man schon tagsüber lustige Partyhütchen auf der Straße kaufen, doch findet die Feier meist im Familien- oder Freundeskreis statt. Alternativ versammelt man sich auf der Plaza de Armas, um sich mit Fremden in den Arm zu fallen und ihnen ein "feliz año nuevo" zu wünschen. Feuerwerkskörper sind verboten, dafür schießt die Stadt in zentraler Lage ein großes Feuerwerk ab. Hunde und Katzen haben sind die Koenige des Abends, sie sind glücklich, ihre Ruhe zu haben. Wer es dann doch nicht ganz so privat mag, darf ab zwei noch in den Club, carrete (fiesta) bis zum Morgengrauen.









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