Samstag, 23. August 2014

San José (Costa Rica)

Ein architektonisches Chaos: eine nicht enden wollende Landschaft aus Parkplätzen, Stacheldrähten, Zäunen, Leitungsdrähten und Betonflächen, zwischen denen die etwas ansprechenderen Bauten erdrückt werden. Lediglich die Betonkirche vor unserer Haustür versprüht Originalität, auch in Köln weiß man schließlich mit Betonkirchen etwas anzufangen.




Ich sitze im zum Hostel gehörigen Garten, unter Bananenbäumen und Bambusgruppen. Frühmorgens ein Vogelgezwitscher wie im Tropenhaus. Ich beäuge die mir unbekannten Geldscheine. Mein Highlight ist die 10.000 Colon-Banknote, auf der sich ein drolliges Dreizehenfaultier räkelt. "Mach`s wie ich!", scheint es mir in seiner lässigen Pose zuzurufen.


Paula ist die - wenn man die Hausregeln befolgt - gut gelaunte und sehr hilfsbereite Mutti des Hostels. Sie lässt sich von zwei Mitzwanzigern unterstützen, die sie liebevoll  als ihre Adoptivkinder bezeichnet: ein Mädchen, deren Namen ich nicht kenne, und Sebastian (ausgerechnet ein reizender Deutscher), den die Liebe zum Entschluss veranlasst hat, Costa Rica bis auf Weiteres nicht mehr verlassen zu wollen. Wir wurden von Paula noch nicht adoptiert, fühlen uns aber ein wenig so - wir sind nämlich die einzigen Gäste im Hostel und erhalten damit die volle Aufmerksamkeit der dreiköpfigen Belegschaft.


Im Museum für zentralamerikanische Gegenwartskunst liegot auf dem Boden ein riesiges Copyright-C. Zunächst sieht es aus wie ein Flokati, doch bei genauerem Hinsehen entpuppt es sich als ein Ensemble aus Reis, Mais und Bohnen, etwa das Herzstück dessen, was Costa Rica einzigartig macht? Das Copyright ignorierend schieße ich ein Foto. Dann beeindruckt mich besonders ein Video eines Künstlers aus Guatemala: Blattschneideameisen tragen Flaggen verschiedenster Nationen durch die Gegend. Ist diese Ameisenwanderung eine Reise zur Völkerverständigung oder müssen die armen Insekten alle Last der Nationalstaaterei auf ihrem Rücken tragen?


Zuletzt ist da noch die Kunst aus präkolumbianischer Zeit, die auf uns so herrlich verspielt und phantasievoll wirkt. So mancher Comiczeichner hat sich scheinbar von den zierlichen Statuetten inspirieren lassen.  


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