Ein architektonisches Chaos: eine
nicht enden wollende Landschaft aus Parkplätzen, Stacheldrähten, Zäunen, Leitungsdrähten und Betonflächen, zwischen denen die etwas
ansprechenderen Bauten erdrückt werden. Lediglich die
Betonkirche vor unserer Haustür versprüht Originalität, auch in Köln weiß man schließlich mit Betonkirchen etwas anzufangen.
Ich sitze im zum Hostel gehörigen Garten, unter Bananenbäumen und
Bambusgruppen. Frühmorgens ein Vogelgezwitscher wie
im Tropenhaus. Ich beäuge die mir unbekannten
Geldscheine. Mein Highlight ist die 10.000 Colon-Banknote, auf der sich ein
drolliges Dreizehenfaultier räkelt. "Mach`s wie ich!",
scheint es mir in seiner lässigen Pose zuzurufen.
Paula ist die - wenn man die
Hausregeln befolgt - gut gelaunte und sehr hilfsbereite Mutti des Hostels. Sie
lässt sich von zwei Mitzwanzigern
unterstützen, die sie liebevoll als ihre Adoptivkinder bezeichnet: ein Mädchen, deren Namen ich nicht kenne, und Sebastian (ausgerechnet
ein reizender Deutscher), den die Liebe zum Entschluss veranlasst hat, Costa
Rica bis auf Weiteres nicht mehr verlassen zu wollen. Wir wurden von Paula noch
nicht adoptiert, fühlen uns aber ein wenig so - wir
sind nämlich die einzigen Gäste im Hostel und erhalten damit die volle Aufmerksamkeit der
dreiköpfigen Belegschaft.
Im Museum für zentralamerikanische Gegenwartskunst liegot auf dem Boden ein
riesiges Copyright-C. Zunächst sieht es aus wie ein Flokati,
doch bei genauerem Hinsehen entpuppt es sich als ein Ensemble aus Reis, Mais
und Bohnen, etwa das Herzstück dessen, was Costa Rica
einzigartig macht? Das Copyright ignorierend schieße ich ein Foto. Dann beeindruckt mich besonders ein Video eines Künstlers aus Guatemala: Blattschneideameisen tragen Flaggen
verschiedenster Nationen durch die Gegend. Ist diese Ameisenwanderung eine
Reise zur Völkerverständigung oder müssen die armen Insekten alle Last
der Nationalstaaterei auf ihrem Rücken tragen?
Zuletzt ist da noch die Kunst aus
präkolumbianischer Zeit, die auf uns
so herrlich verspielt und phantasievoll wirkt. So mancher Comiczeichner hat
sich scheinbar von den zierlichen Statuetten inspirieren lassen.






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