Jetzt also Riga:
Eine erstaunlich große Stadt mit einem erstaunlich langsamen Pulsschlag. Die Autos fahren gemächlich und umsichtig und halten an Zebrastreifen, Menschen warten an der roten Ampel, der öffentliche Verkehr ist ein drolliger Mix aus alten Bimmelbahnen (manchmal mit Blumenampel drin), neueren Bimmelbahnen und Trolleybussen. Ausgedehnte Parks umringen die Altstadt, die Bausubstanz ist erfreulich alt und in einem charmanten Mix aus restauriert (die tollen Jugendstilvillen), noch nicht restauriert und halb verfallen.
Die Sprache mit ihren nur 2 Millionen Sprechern bietet zunächst wenig Anhaltspunkte. Bei genauerem Hinsehen aber erkenne ich bekannte Wörter, die offenbar gerne mit dem lettischen Lieblingsbuchstaben versehen werden:
Bars
Restaurans
Johans Gotfrids Herders
Kebabs
Der tägliche Markt ist gigantisch und umfasst neben fünf riesigen Markthallen (die früher als Luftschiffhallen dienten) für Fleisch, Fisch und Trödel auch Freiluftstände der Kleinbauern und Schrebergärtner, die ihre Erträge feilbieten und damit die Marktfläche in einen Teppich aus Blaubeeren, Pflaumen und Kartoffeln verwandeln.
Zu Essen gibt es kalte Rote-Bete-Suppe, die an Farbenfreude kaum zu überbieten ist. Dazu sehr gutes Schwarzbrot, dessen Geschmack hin und wieder durch eine leichte Kümmelnote getrübt wird. Der Sinn des lettischen Nationalgetränks "Schwarzer Balsam", eines bitteren Likörs (schon ein Widerspruch in sich) aus Kräutern, der schwarz und ölig nur zäh die Kehle herunterrinnt, hat sich mir auch beim zweiten Mal nicht erschlossen.
Dann ist da schließlich noch mein Freund Lars, der mit seiner Familie im Wald von Jurmala wohnt, einem Kur- und Ferienort vor den Toren Rigas, der eigentlich von reichen Russen frequentiert wird. Bezaubernd sind die alten Holzvillen, von denen mein Freund eine eher bescheidenere Version behaust. Schön, dass er nach der langen Zeit und den unterschiedlichen Lebensumständen der Alte geblieben ist. Das schicke 5-Sterne-Überraschungsmenü zu seinem Geburtstag, das von Samthandschuh tragenden Kellnern in Perfektion serviert wurde, wäre gar nicht nötig gewesen (obwohl ich die Meeresfrüchteplatte sehr genossen habe). Gemeinsam im lauschigen Garten zu sitzen, Tee zu trinken und eine zu schmöken, schafft das Gefühl alter Vertrautheit.







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