Samstag, 2. März 2019

Es geht um die Wurst



Der Park hat sich in eine nicht enden wollende Allee von Imbiss-Buden verwandelt. Hinter diesen dröhnen die Generatoren, zwischen deren Motorengeräusche sich wiederum Latino-Rhythmen mischen. Aus dem ganzen Land sind die Wurstgriller angereist, um sich in einer Weltmeisterschaft zu messen, wer die beste Variante des argentinischen Fastfood zaubert, des Choripán. Eine Weltmeisterschaft ist es deshalb, weil neben den 40 immer gleichen Grillbuden, die den Choripán clásico anbieten, auch Stände vertreten sind, die in den Disziplinen des Choripán gourmet und des Choripán mundial antreten. Das Ganze nennt sich „Festival Mundial del Humor y Choripán“, und ich durfte schon zum zweiten Mal Gast dieses globalen Events sein. Warum Humor? Weil die Cordobeser angeblich einen ausgezeichneten Humor haben. Nun ist Humor für den Fremdsprachenlerner eine schwierige Angelegenheit – und deshalb möchte ich hier nicht werten.


Zum Choripán: Es handelt sich um ein fettiges Würstchen (chorizo), das nur schmeckt, wenn gut durchgegrillt das meiste Fett herausgetropft ist. Beliebt ist die Variante „Mariposa“ (Schmetterling), bei der das Würstchen der Länge nach aufgeschnitten wird und noch einmal auf den Grill gelegt wird. Dann wird es zwischen zwei Brothälften geklemmt, doch vorher – und das ist der Clue – darf der Kunde neben Salat und Tomate aus einer unzähligen Reihe von Gläsern Zutaten wie Rotkohl, eingelegter Paprika oder geraspelten Möhren auswählen. Obwohl diese Gläser sich von Stand zu Stand gleichen, vermag man seinem persönlichen „Chori“ so ein wenig Individualität zu verleihen. 

Mariposa-Style



Zum Schluss wird über das Ganze noch ein Schuss Chimichurri gegossen, eine Soße, die gern zu Fleisch gegessen wird. Sie ist braun, auf Essig-Öl-Basis und erhält verschiedene Gewürze. Ein verbindliches Rezept gibt es nicht.


Die immer gleichen Zutaten in großen Gläsern
Wie es einer Jury möglich ist, unter den unzähligen Buden den besten Choripán auszumachen, ist mir ein Rätsel. Mir als Deutschen fallen lediglich erhebliche Unterschiede in der Frische des Brots auf. Leichter ist es beim Choripán gourmet und dem Choripán mundial: Für ein paar Pesos mehr kann man in Nationen-Zelten die Upgrade-Version erwerben, und zwar mit den landestypischen Zutaten. Besonders die mexikanische Variante hat es in sich: mit Guacamole und pikanter Soße (hier sehr selten zu finden) ist sie mein persönlicher Weltmeister.
Hier die faszinierende Variation des immer Gleichen:

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