Samstag, 9. März 2019

Ein verborgenes Juwel



Der Architekt Gustave Eiffel (dessen Vorfahren tatsächlich aus der Eifel stammten, nämlich aus Nettersheim) hat nie einen Fuß nach Córdoba gesetzt. Dennoch hat er sichtbare Spuren hinterlassen, so wie auch an anderen Orten Lateinamerikas. Der sichtbarste Orientierungspunkt ist ein nunmehr verrostetes Riesenrad, das auf einem Aussichtspunkt in den Parque Sarmiento montiert wurde. Ursprünglich war es für die Stadt Tucumán gedacht, wo es für das Festjahr 1916 – die 100-Jahr-Feier Argentiniens – errichtet wurde. Nach schon zwei Jahren musste der dortige Vergnügungspark schließen und zwei Unternehmer aus Córdoba interessierten sich dafür. So zog das Riesenrad nach Córdoba um, wo es wegen Montagefehlern, die dazu führten, dass die Speichen immer wieder verbogen, offenbar mehr schlecht als recht bis in die 70er Jahre in Betrieb war. Heute steht der rostende Koloss etwas ratlos und verloren neben den traurigen Löwen- und Tigergehegen des städtischen Zoos.

Die "Casa Eiffel"
 Das unscheinbarere, aber unglaublichere Juwel von Gustave Eiffel versteckt sich in einem gewöhnlichen Wohnviertel der Mittelschicht. Ein nordamerikanischer Unternehmer hatte die Idee, Fertighäuser aus Metall in Kisten zerlegt aus Frankreich über den Atlantischen Ozean zu verschiffen und in Argentinien aufzubauen. Zwei dieser Häuser landeten in Córdoba, von denen eines noch im barrio San Vincente zu sehen ist. Unglaublich einfach mutet das Prinzip an, mithilfe von Stahlpfeilern und kleinen Stahlplatten als Wänden, die von Nieten zusammengehalten werden und ein Doppelkammerprinzip zur Isolierung haben, ein Fertighaus zu errichten. So einfach das Prinzip, so verspielt gleichzeitig die Ornamentik am Balkongeländer und dem Dach, das die Galerie schützt. Schlitze sorgen für ein natürliches Lüftungssystem. Die „Nassräume“, also Küche und Bad, befinden sich in einem separaten Trakt, ansonsten wäre das Chalet wahrscheinlich schnell durchgerostet.

Das Konstruktionsprinzip
Zwar waren diese Fertighäuser topmodern, doch so richtig schien die Geschäftsidee nicht zu zünden. Dem Deutschen Karl Rooner, der in Córdoba mit der Errichtung des Chalets beauftragt war, gelang es erst nach ein paar Jahren, das Haus zu verkaufen, blieb aber als Mieter dort wohnen. Vielleicht war das Lüftungssystem doch nicht so genial: Die Winter sind schließlich kühl und der Wind soll mehr als einmal durch die Ritzen gepfiffen haben. 1936 gab es einen Besitzerwechsel: Kurioserweise wurde nur das Haus verkauft, nicht aber das Grundstück, sodass sich die Casa Eiffel ein zweites Mal auf die Reise machte, diesmal aber nur einen halben Block weiter. Offenbar – und das ist noch kurioser – wurde das Haus als Ganzes bewegt, und man weiß nicht, wie dies geschah, ob auf Rädern oder Schienen.




Zuletzt war die Casa Eiffel unbewohnt und dem Verfall preisgegeben, bis ein Nachbarschaftsverein sich des Juwels annahm und mit viel Herzblut und Enthusiasmus die Rettung initiierte. Nun macht der Verein das Haus der Öffentlichkeit zugänglich. Es erscheint mit seinen leicht korrodierten Wänden und der Mischung aus industrieller Sachlichkeit und Art-Deko-hafter Ornamentik wie ein kleines Wunder in seiner ach so gewöhnlichen Nachbarschaft. Präsentiert wird auch das eine oder andere Detail an Einrichtung und Kleidern, die man in der verwahrlosten Villa so vorfand, ein Zeichen der Liebe seiner Nachbarn, denen es gelang, die Casa Eiffel zu retten.

Liebevoll ausgewählte Einrichtungsdetails

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