Der Architekt Gustave Eiffel (dessen Vorfahren tatsächlich
aus der Eifel stammten, nämlich aus Nettersheim) hat nie einen Fuß nach Córdoba
gesetzt. Dennoch hat er sichtbare Spuren hinterlassen, so wie auch an anderen
Orten Lateinamerikas. Der sichtbarste Orientierungspunkt ist ein nunmehr
verrostetes Riesenrad, das auf einem Aussichtspunkt in den Parque Sarmiento
montiert wurde. Ursprünglich war es für die Stadt Tucumán gedacht, wo es für
das Festjahr 1916 – die 100-Jahr-Feier Argentiniens – errichtet wurde. Nach
schon zwei Jahren musste der dortige Vergnügungspark schließen und zwei Unternehmer
aus Córdoba interessierten sich dafür. So zog das Riesenrad nach Córdoba um, wo
es wegen Montagefehlern, die dazu führten, dass die Speichen immer wieder verbogen,
offenbar mehr schlecht als recht bis in die 70er Jahre in Betrieb war. Heute
steht der rostende Koloss etwas ratlos und verloren neben den traurigen Löwen-
und Tigergehegen des städtischen Zoos.
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| Die "Casa Eiffel" |
Das unscheinbarere, aber unglaublichere Juwel von Gustave
Eiffel versteckt sich in einem gewöhnlichen Wohnviertel der Mittelschicht. Ein
nordamerikanischer Unternehmer hatte die Idee, Fertighäuser aus Metall in Kisten
zerlegt aus Frankreich über den Atlantischen Ozean zu verschiffen und in
Argentinien aufzubauen. Zwei dieser Häuser landeten in Córdoba, von denen eines
noch im barrio San Vincente zu sehen ist. Unglaublich einfach mutet das Prinzip
an, mithilfe von Stahlpfeilern und kleinen Stahlplatten als Wänden, die von Nieten
zusammengehalten werden und ein Doppelkammerprinzip zur Isolierung haben, ein
Fertighaus zu errichten. So einfach das Prinzip, so verspielt gleichzeitig die
Ornamentik am Balkongeländer und dem Dach, das die Galerie schützt. Schlitze
sorgen für ein natürliches Lüftungssystem. Die „Nassräume“, also Küche und Bad,
befinden sich in einem separaten Trakt, ansonsten wäre das Chalet wahrscheinlich
schnell durchgerostet.
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| Das Konstruktionsprinzip |
Zwar waren diese Fertighäuser topmodern, doch so richtig schien
die Geschäftsidee nicht zu zünden. Dem Deutschen Karl Rooner, der in Córdoba
mit der Errichtung des Chalets beauftragt war, gelang es erst nach ein paar
Jahren, das Haus zu verkaufen, blieb aber als Mieter dort wohnen. Vielleicht
war das Lüftungssystem doch nicht so genial: Die Winter sind schließlich kühl
und der Wind soll mehr als einmal durch die Ritzen gepfiffen haben. 1936 gab es
einen Besitzerwechsel: Kurioserweise wurde nur das Haus verkauft, nicht aber
das Grundstück, sodass sich die Casa Eiffel ein zweites Mal auf die Reise machte,
diesmal aber nur einen halben Block weiter. Offenbar – und das ist noch
kurioser – wurde das Haus als Ganzes bewegt, und man weiß nicht, wie dies
geschah, ob auf Rädern oder Schienen.
Zuletzt war die Casa Eiffel unbewohnt und dem Verfall preisgegeben,
bis ein Nachbarschaftsverein sich des Juwels annahm und mit viel Herzblut und
Enthusiasmus die Rettung initiierte. Nun macht der Verein das Haus der
Öffentlichkeit zugänglich. Es erscheint mit seinen leicht korrodierten Wänden
und der Mischung aus industrieller Sachlichkeit und Art-Deko-hafter Ornamentik wie
ein kleines Wunder in seiner ach so gewöhnlichen Nachbarschaft. Präsentiert
wird auch das eine oder andere Detail an Einrichtung und Kleidern, die man in
der verwahrlosten Villa so vorfand, ein Zeichen der Liebe seiner Nachbarn, denen
es gelang, die Casa Eiffel zu retten.
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| Liebevoll ausgewählte Einrichtungsdetails |






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