Eine uralte, fruchtbare Kulturlandschaft aus terrassierten Hügeln auf über 3000m Höhe, zwischen denen sich der Fluss Colca windet. Folgt man dem Verlauf des Flusses, so gräbt er sich immer tiefer in eine Schlucht ein - den Canyon de Colca. Von den Aussichtspunkten hat man atemberaubende Ausblicke, angesichts der beängstigenden Tiefe ist der Anblick weniger schön als imposant-majestätisch und unwirklich. Auf einem Stein sitzend und in die Ferne starrend sehe ich hin und wieder einen Condor, wie er über mir vorbeizieht. Er streift ruhig durch das Tal, sein Anblick ist wie ein Geschenk.
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| Condor |
Die Dorfbewohner scheinen so zu leben, wie man es hier schon seit langer Zeit gemacht hat. Die Frauen tragen bunte Hüte und farbig bestickte Westen und Röcke. Auf dem Rücken tragen sie Bündel mit der Ernte vom Feld oder ihr Reisegepäck. Jedes Dorf hat sein vorherrschendes Hutdesign; eine sich verirrende Bäuerin könnte einfach und wortlos wieder nach Hause gebracht werden. Da die Bewohner nichts anderes als Arbeit und Bewältigung des Alltages zu kennen scheinen, fühle ich mich als Tourist bisweilen fehl am Platz. Ein schillerndes Beispiel für einen Culture Clash ereignet sich, als zwei junge Touristinnen in kurzen Höschen ihre Dehnübungen für die bevorstehende Trekking-Tour auf dem Dorfplatz machen. Die Einheimischen, die auf dem Weg zu ihren Feldern sind, lehnen sich aus dem Fenster des Busses, um das seltsame Treiben zum Teil befremdend, zum Teil frivol-belustigt zu kommentieren.
Einige Orte des Tals liegen so abgelegen, dass sie nur zu Fuß oder mit dem Maulesel zu erreichen sind. Unvorstellbar, wie es möglich ist, dort Häuser zu bauen. Die Wege sind steil und zum Teil voller Geröll.
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| manche Orte sind nur zu Fuss und mit Maulesel zu erreichen |
Bei Sonnenaufgang mache ich mich auf den Weg hinunter in den Canyon. Einer der vielen Dorfhunde schließt sich mir an, will mein Compañero sein, begleitet mich treu und wartet auf mich, wenn ich eine Pause mache. Beim Abstieg in die Schlucht kommen mir japsende Amerikaner und Franzosen entgegen sowie Einheimische mit Mauleseln, mal mit reitenden Touristen, mal mit Waren bepackt. Immer mehr Sonne dringt in die Schlucht, fröhlich jagt mein Compañero Vögeln nach oder blickt in den Abgrund. Nach 2 1/2 Stunden Abstieg komme ich in der "Oase" Sangalle an, wo ich mich am wilden Fluss ausruhe. Der Hund bleibt an meiner Seite und sucht den Schatten. Mühsam ist die 3stündige Aufstieg in der prallen Sonne, auch mein Companñero kommt außer Puste. Wir teilen uns das verbleibende Trinkwasser, und doch scheint mir der Hund auf dem Rückweg magerer geworden zu sein. Die Vögel interessieren ihn schon lange nicht mehr. Ermüdet, aber glücklich oben angekommen, bekommt er einen Knochen. Er folgt mir weiter treu bis zum Hostel, wo ich ihm leider den Eintritt verwehren muss. Am nächsten Morgen ist er verschwunden, wahrscheinlich mit dem nächstbesten Touristen auf dem Weg ins Tal...
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| Mein Compañero |







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