Mittwoch, 18. März 2015

Lawrence von Atacama (Chile)


Ach wär ich doch Lawrence von Atacama! Wär ich doch zumindest eine bescheidene Schmalspurversion dieses Lawrence und könnte auf einem Vicuña (in Ermangelung eines Kamels) alleine durch die Wüste reiten. Ich könnte die Stille in den Canyons, auf den Dünen und in den weiten Ebenen, die einst von Wasser bedeckt waren, genießen. Ich könnte dem Gestein lauschen, wie es sich bei Hitze knackend ausdehnt und in der Dämmerung wieder zusammenzieht. Könnte von oben in die zerklüfteten Schluchten schauen und beobachten, wie die sinkende Sonne die Felsen in changierende Farben taucht.



Aber nein, ich bin Teilnehmer einer geführten Tour, die so präzise durchgetaktet ist, dass es so gar nicht zur Unendlichkeit dieser Wüste passen mag. Jetzt weiß ich, wie sich ein Japaner auf Europareise fühlen muss. Raus aus dem Bus, fünf Minuten Fotostop, rein in den Bus, ab durch den Canyon, aber nur nicht zu weit...
Dennoch: Die trockenste Wüste der Welt tut mir den Gefallen, Regenwolken zuzulassen, sodass sich über dem Valle de la Muerte (Tal des Todes) ein Regenbogen erstreckt, wie man ihn mit Photoshop nicht perfekter hineinmontieren könnte. Ein Hauch von Glück, blendet man die hinter mir parkenden Tourbusse und die vor mir fotografierenden Reisenden aus.




Viel besser gefällt mir der Ausflug zu den Geysiren im Andenhochland auf 4300m Höhe. Das Reisetempo ist langsamer und entspannter. So wandelt der kleine Lawrence (ohne Kamel und wegen der Höhe ganz gemächlich) zwischen den gurgelnden, sprudelnden und dampfenden Geysiren umher, im Hintergrund imposante Vulkane mit Schneekuppe. Am frühen Morgen herrscht Eiseskälte, aber sie kann dem heldenhaften Lawrencito nichts antun, zumal ein Thermalbecken zum Bade lockt.





Später säumen neugierig schauende, aber scheue Vicuñas seinen Weg, der sich in Serpentinen abwärts windet. Dort hinten ein beweglicher Punkt in der Ferne, dann immer näher kommend: Ein hyperaktives Nandu stakst durch die karge Steppe. In einsam gelegenen Bergdörfern heißen die Bewohner Lawrencito willkommen und bereiten ihm Lamafleisch zur Rast nach beschwerlicher Reise. Erschöpft, aber glücklich, doch wenigstens für einen Tag Lawrence von Atacama gewesen zu sein, geht es ins Wüstendorf San Pedro zurück.





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