„Wir treffen uns im Schatten des Cardón“, sagtest du mir. Genau
beschriebst du mir den Weg dorthin. Über den Fußballplatz, eigentlich nur ein
in den Fels geschlagenes Schotterfeld, weiter durch das Tal, ein von der
Trockenheit des Winters brach liegendes Flussbett, dann links den steinigen Hügel
hinauf. Oben würde ich einen großen Cardón, einen Kaktus, sehen, ich könne ihn
nicht verfehlen. Am Mittag machte ich mich auf den Weg. Sofort fand ich den
Cardón, den stattlichen, sicher fünf Meter hohen Kaktus, von dessen Stamm aus
einige Arme in die Höhe gewachsen waren. Wie viele Jahre er wohl gebraucht
hatte, um zu dieser Größe heranzureifen? Sein Schatten war in der Mittagssonne noch
kurz, ich setzte mich und begann auf dich zu warten.
Der Trubel vom fernen Dorfplatz, wo die Jugend johlend Kreisel
auf den Boden warf, war verhallt. Die Stille genießend und in der Zeitlosigkeit
der trockenen, menschenleeren Landschaft versinkend, schaute ich mir meinen
Begleiter, den Cardón, genauer an. Ich war ihm nah und doch schien er mich mit
seinem rohen Wesen abzuweisen. Sein Stamm und seine Arme waren gerippt. Die
Stacheln, mit denen er übersäht war, waren zahnstochergroß. Ich brach einen ab,
er schien es mir nicht übel zu nehmen.
Als ich einen Schritt zurücktrat, wirkte
er freundlicher, zarter. Im Gegenlicht glänzten die Stacheln an den Spitzen wie
weicher Babyflaum. Auch hatte mein Gefährte ein kreisrundes Loch. Offenbar
hatte ein Vogel sich dort eine Behausung geschaffen. Eine freundliche Symbiose zwischen
Pflanze und Tier oder der Vogel als egoistischer Nutznießer? Ich konnte das
nicht beantworten, nur schien es mir, dass der Kaktus keinen bleibenden Schaden
von seinem Untermieter davongetragen hatte. Über das genaue Inspizieren waren
die Minuten, war bald wohl auch eine Stunde vergangen. Der Schatten war länger
geworden, und so konnte ich es mir unter meinem großen Beschützer bequemer machen.
Geborgen und doch ganz bei mir ließ ich die Zeit verrinnen.





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