Hurra! Ich habe endlich ein Haus zur
Miete, zwar ein viel zu großes, aber erschwingliches, schönes, in
guter Lage und mit Garten und Pool. Das war aber ein steiniger Weg.
In Argentinien wird offenbar den
Mitmenschen, wenn es um Geld geht, nicht viel Vertrauen geschenkt.
Keine Ahnung, welche schlechten Erfahrungen man hier macht.
Jedenfalls braucht man, um eine Wohnung mieten zu können, nicht nur
ein solides Einkommen, sondern auch einen argentinischen Bürgen
(garantia proprietaria) und meist auch eine weitere Person mit
soliden Einkommensnachweisen (recibos de sueldo). Leider kenne
ich keine reichen Argentinier, und ob sie mir vertrauen würden, wäre
ja noch eine andere Geschichte, da es ja wie gesagt um Geld geht,
also um heikle Angelegenheiten. Von daher kann ich allen
Nicht-Argentiniern, die nicht mit reichen Argentiniern
verschwipschwagert oder sonst wie verbandelt sind, eigentlich nur
davon abraten, es hier zu versuchen, eine Wohnung zu mieten. Ich habe
gefühlt mit allen Maklern des Ortes telefoniert. Die Garantien und
Einkommensnachweise kommen sofort zur Sprache, und meist zeigen sie
einem die Wohnung gar nicht, wenn man nicht zu 100% versichert, dass
man die erforderlichen Nachweise erbringen kann.
Interessant ist auch, dass in diesem
Land, wo alles etwas informeller abläuft, Makler ihre Wohnungen auf
Facebook anbieten und die Verhandlungen über Facebook-Messenger oder
Whatsapp laufen. So wurde mir auch mein achtseitiger Mietvertrag über
Whatsapp zugeschickt, mit der Bitte, ihn dreimal auszudrucken.
Zurück zu den „garantias“:
Viele deutsche Schulen in Argentinien bürgen für ihre deutschen
Lehrkräfte, meine tut das aus irgendeinem (un-)gesunden Misstrauen
heraus nicht. Ich hatte beim Makler schon eine Reservierung für mein
Haus, weil ich versicherte, die Schule würde mir helfen, aber der
allzu mächtige Schulvorstand (das höchste Leitungsgremium, das aus
sieben Eltern der Schulkinder besteht) hüllte sich eine Woche lang
in Schweigen, unwillig mir die Bürgschaft auszustellen, aber ebenso
unwillig, mir direkt „Nein“ zu sagen. Als die Reservierung zu
verfallen drohte, machte eine Kollegin in der Schulleitung Druck beim
Vorstand, und prompt wurde ich zum Gespräch gebeten: Der mächtige
Schulvorstand schlug mir vor, monatlich 20% meines Gehalts als
Kaution einzubehalten und mir im Gegenzug die Bürgschaft
auszustellen. Ich habe das abgelehnt, denn das Gehalt in Argentinien
ist sowie schon sehr niedrig und ich hätte einen Buchhalter
einstellen müssen, um da den Überblick zu behalten. Schließlich
gibt es im Juli einen Inflationsausgleich von 5%, im Februar von 10%,
was aber nicht die eigentliche Inflation abdeckt. Hingegen steigt die
Monatsmiete halbjährlich um 12,5%, was schon eher der tatsächlichen
Inflation gleichkommt. Letztendlich habe ich dem Vorstand eine
Kaution als Einmalzahlung hinterlegt, sodass ich jetzt eigentlich
mein eigener Bürge bin. Der Vorstand möchte mich einmal
halbjährlich besuchen kommen, um sich zu vergewissern, ob ich das
Haus auch nicht ruiniere. Das stelle ich mir ganz putzig vor, wenn
ich die wichtigen Herren empfangen darf…
Wie oft in Argentinien, ging dann alles
auf den letzten Drücker und klappte aber trotzdem: beglaubigte
Unterschriften des Mieters und des Bürgen beim Notar, Geld tauschen
für die Maklerkaution (aus dem Geldautomaten kommen immer nur
maximal 3000 Pesos = 120,-€), Mietvertrag abgeben und bezahlen, zu
Arentas gehen, weil für Menschen ohne argentinische Passnummer
nochmal alles extra beglaubigt werden muss (typisch Argentinien),
Schlüssel in Empfang nehmen.
Mit dem
Einrichten habe ich gerade erst begonnen, das aber wiederum ist
recht leicht zu organisieren. Irgend jemand kennt einen, der
second-hand-Möbel verkauft, und schon hat man 28 Bilder auf Whatsapp
mit Bildern von Möbeln, die man vielleicht gebrauchen könnte. Auch
der Transport ist leicht zu organisieren. Es gibt hier „fleteros“,
das sind Menschen, die den ganzen Tag mit dem Lieferwagen („flete“)
durch die Gegend fahren, um Sachen von A nach B zu transportieren.
Wenn man das organisiert hat, ist einziehen ein bisschen wie
Weihnachten, weil es ständig klingelt und die fleteros einem
Möbel ins Haus tragen.



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