Mittwoch, 28. März 2018

Wohnungssuche auf argentinisch

Hurra! Ich habe endlich ein Haus zur Miete, zwar ein viel zu großes, aber erschwingliches, schönes, in guter Lage und mit Garten und Pool. Das war aber ein steiniger Weg.


In Argentinien wird offenbar den Mitmenschen, wenn es um Geld geht, nicht viel Vertrauen geschenkt. Keine Ahnung, welche schlechten Erfahrungen man hier macht. Jedenfalls braucht man, um eine Wohnung mieten zu können, nicht nur ein solides Einkommen, sondern auch einen argentinischen Bürgen (garantia proprietaria) und meist auch eine weitere Person mit soliden Einkommensnachweisen (recibos de sueldo). Leider kenne ich keine reichen Argentinier, und ob sie mir vertrauen würden, wäre ja noch eine andere Geschichte, da es ja wie gesagt um Geld geht, also um heikle Angelegenheiten. Von daher kann ich allen Nicht-Argentiniern, die nicht mit reichen Argentiniern verschwipschwagert oder sonst wie verbandelt sind, eigentlich nur davon abraten, es hier zu versuchen, eine Wohnung zu mieten. Ich habe gefühlt mit allen Maklern des Ortes telefoniert. Die Garantien und Einkommensnachweise kommen sofort zur Sprache, und meist zeigen sie einem die Wohnung gar nicht, wenn man nicht zu 100% versichert, dass man die erforderlichen Nachweise erbringen kann.
Interessant ist auch, dass in diesem Land, wo alles etwas informeller abläuft, Makler ihre Wohnungen auf Facebook anbieten und die Verhandlungen über Facebook-Messenger oder Whatsapp laufen. So wurde mir auch mein achtseitiger Mietvertrag über Whatsapp zugeschickt, mit der Bitte, ihn dreimal auszudrucken.


Zurück zu den „garantias“: Viele deutsche Schulen in Argentinien bürgen für ihre deutschen Lehrkräfte, meine tut das aus irgendeinem (un-)gesunden Misstrauen heraus nicht. Ich hatte beim Makler schon eine Reservierung für mein Haus, weil ich versicherte, die Schule würde mir helfen, aber der allzu mächtige Schulvorstand (das höchste Leitungsgremium, das aus sieben Eltern der Schulkinder besteht) hüllte sich eine Woche lang in Schweigen, unwillig mir die Bürgschaft auszustellen, aber ebenso unwillig, mir direkt „Nein“ zu sagen. Als die Reservierung zu verfallen drohte, machte eine Kollegin in der Schulleitung Druck beim Vorstand, und prompt wurde ich zum Gespräch gebeten: Der mächtige Schulvorstand schlug mir vor, monatlich 20% meines Gehalts als Kaution einzubehalten und mir im Gegenzug die Bürgschaft auszustellen. Ich habe das abgelehnt, denn das Gehalt in Argentinien ist sowie schon sehr niedrig und ich hätte einen Buchhalter einstellen müssen, um da den Überblick zu behalten. Schließlich gibt es im Juli einen Inflationsausgleich von 5%, im Februar von 10%, was aber nicht die eigentliche Inflation abdeckt. Hingegen steigt die Monatsmiete halbjährlich um 12,5%, was schon eher der tatsächlichen Inflation gleichkommt. Letztendlich habe ich dem Vorstand eine Kaution als Einmalzahlung hinterlegt, sodass ich jetzt eigentlich mein eigener Bürge bin. Der Vorstand möchte mich einmal halbjährlich besuchen kommen, um sich zu vergewissern, ob ich das Haus auch nicht ruiniere. Das stelle ich mir ganz putzig vor, wenn ich die wichtigen Herren empfangen darf…
Wie oft in Argentinien, ging dann alles auf den letzten Drücker und klappte aber trotzdem: beglaubigte Unterschriften des Mieters und des Bürgen beim Notar, Geld tauschen für die Maklerkaution (aus dem Geldautomaten kommen immer nur maximal 3000 Pesos = 120,-€), Mietvertrag abgeben und bezahlen, zu Arentas gehen, weil für Menschen ohne argentinische Passnummer nochmal alles extra beglaubigt werden muss (typisch Argentinien), Schlüssel in Empfang nehmen.


Mit dem Einrichten habe ich gerade erst begonnen, das aber wiederum ist recht leicht zu organisieren. Irgend jemand kennt einen, der second-hand-Möbel verkauft, und schon hat man 28 Bilder auf Whatsapp mit Bildern von Möbeln, die man vielleicht gebrauchen könnte. Auch der Transport ist leicht zu organisieren. Es gibt hier „fleteros“, das sind Menschen, die den ganzen Tag mit dem Lieferwagen („flete“) durch die Gegend fahren, um Sachen von A nach B zu transportieren. Wenn man das organisiert hat, ist einziehen ein bisschen wie Weihnachten, weil es ständig klingelt und die fleteros einem Möbel ins Haus tragen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen