Sonntag, 25. Februar 2018

Hablamos (Argentinien)

Jetzt bin ich also wieder im Land der Menschen, die so viel reden. Mit reichlich Rheinlanderfahrung sollte es nichts Ungewöhnliches sein, dass Menschen nicht mit dir fremdeln, dich auf offener Straße in einfache oder komplizierte Angelegenheiten des alltäglichen Lebens verwickeln und große Pläne machen, die sich in Sekundenschnelle wieder als seifenblasenartiger Testballon entpuppen können. Ich nehme diesen Umstand einfach als nettes Angebot an, mit den Bewohnern von Buenos Aires in Kontakt zu kommen und meine mündlichen Kommunikations-Skills zu festigen. Dabei nehme ich aus meinen Gesprächen folgende Erkenntnisse mit:
  • Córdoba ist eine Stadt, die die meisten Argentinier toll finden: Sie zeichnet sich offenbar durch Folgendes aus: 1) Die Leute hauen im Minuten-, vielleicht sogar Sekundentakt Witze heraus. 2) Das Essen ist dort sehr lecker. Das tröstet mich sehr. Ich habe nämlich in den letzten Tagen in Buenos Aires wirklich schlecht gegessen. 3) Überall in und um Córdoba sind deutsche Einflüsse zu spüren. Selbst die argentinische Diktatur sei durch den deutschen Faschismus inspiriert worden. Na, wenn das mal kein tolles Beispiel f(r)u(r)chtbaren Kulturkontakt ist. 5) die Bewohner trinken bis in den frühen Morgen Fernet Cola. Es sei denn, sie sind auf dem Folklorefestival in Cosquin. Dann trinken sie bis in den frühen Morgen Rotwein. 5) Die Umgebung von Córdoba ist schön, aber das steht auch in jedem Reiseführer.

    Hier wird ausnahmsweise mal geschwiegen. Eine Ausnahme bildet die Bühne.
  • Präsident Macri ist für alle Musikliebhaber „un animal“, da er die Subventionen für den Instrumentalunterricht und die Orchester in den Armenvierteln gekürzt hat. Nun war die ehemalige Präsidentin Kirchner schon für viele eine „estulta“, weil sie mit ihrer Politik der staatlichen Reglementierung viele in den Wahnsinn getrieben hat. Da frage ich mich, wer von den beiden, das „animal“ oder die „estulta“, in der Hierarchie schlechter Menschen eigentlich tiefer steht, und entscheide mich für das „animal“, wo mir doch die Verurteilung kulturloser Politiker eine gesunde Einstellung zu sein scheint.

    Eine Installation wie geschaffen zur Illustration der Kulturpolitik

Samstag, 3. Februar 2018

Ein alternder Kopierer

Im fensterlosen Raum,
beschienen nur vom Oberlicht,
steht
ein alternder Kopierer.
Ein stilles Mauerblümchen,
wäre er nicht von stattlicher Statur.

Das Tastenwerk
ist klar strukturiert:
eine Vielfalt liebevoll
angeordneter Optionen,
scheinbar leicht zu durchschauen.

Tagein, tagaus
ergibt er sich
der nicht enden wollenden,
immer gleichen Reproduktion.
Der getaktete Auswurf von Arbeitsblättern
ist Zeichen seiner Qualität.

Mit digitalen Medien
hat er sich arrangiert,
doch lieber noch
ist ihm die papierne Vorlage
als der kühle, metallische
Kontakt des Daten-Sticks.

Das doppelseitige Kopieren
verursacht ihm Schmerzen.
Nein – angenehmer ist es
die Anforderungen ganz
chronologisch abzuarbeiten,
statt dissonante Vielstimmigkeit
zu ertragen.

Dann ganz plötzlich -
ohne Warnung -
geschieht die überraschende Reaktion:
Papierstau!
Er stoppt und behält das für sich,
was andere von ihm erwarten.

Vergeblich das Öffnen der unüberschaubaren
Klappen und Türen,
das Drehen an Rädchen,
der Blick ins Papierfach.
Etwas verbirgt er
dem verzweifelten Betrachter.

Was also tun
mit diesem dienlichen
und doch nicht störungsfreien
Gerät?
Gewährt man ihm Pausen?
Tauscht man ihn ein
gegen ein brauchbareres Pendant?
Oder schenkt man ihm
eine Abwechslung
vom immer Gleichen?