In regelmäßigen Abständen geistert unsichtbar ein
Schreckgespenst durch das Land. Es sorgt dafür, dass den Leuten das Geld in den
Händen zerrinnt, dass Urlaubsreisen nicht stattfinden können und überhaupt,
dass das Leben sehr schwer planbar ist. Die Inflation kommt in Schüben,
plötzlich und heftig: Während Mitte Mai ein Euro noch 25 Pesos wert war, liegt
er jetzt, Mitte Juni, schon bei 32 Pesos. 2017 betrog die Inflationsrate 25%,
2018 zur Mitte des Jahres beträgt sie schon 22%, obwohl Präsident Macri das
Ziel verkündet hatte, sie auf 10% senken zu wollen. Weil die Preise natürlich
entsprechend anziehen, heißt das für die Menschen, dass sie immer weniger in
der Tasche haben, zumal die Löhne nicht automatisch angepasst werden. Auf
meiner Arbeit gibt es im Februar eine Gehaltserhöhung von 10% und im Juni noch
eine von 5%, sie liegt also niedriger als die Inflation. Entsprechend oft wird
gestreikt: Für den 25. Juni ist ein Generalstreik angesetzt: keine Busse,
Taxis, Flüge, Müllabfuhr, Banken und auch die öffentlichen Schulen werden
bestreikt – ich bin mal gespannt.
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| Die Inflation kommt in Schüben |
Präsident Macri hat es sich zum Ziel gesetzt, die Wirtschaft
zu liberalisieren, Subventionen zu kürzen und die Staatsschulden abzubauen. So
werden auch die Subventionen für Strom und Gas abgebaut. Gerade jetzt, wo die
Inflation so stark zunimmt, werden Strom und Gas für alle teurer. Immerhin hat
ein Gericht entschieden, dass man den Menschen, die ihre Rechnung nicht
bezahlen können, das Gas nicht abstellen darf. Mal sehen, wie viele sich auf
dieses Urteil verlassen.
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| Alte Geldscheine, die an vergangene Wirtschaftkrisen erinnern |
Ein weiteres Schreckgespenst ist der Umstand, dass die
Regierung den IWF um eine kräftige Finanzspritze von 50 Milliarden Dollar
gebeten hat. Es kommen schlimme Erinnerungen an die Zeit von 2001 auf, als
Argentinien eine Staatspleite verkünden musste und vom IWF und amerikanischen
Hedge-Funds geknebelt wurde. Die Regierung weigerte sich damals, Schulden
zurückzuzahlen, was das Land isolierte, weil ausländliche Investoren das
Vertrauen in die Wirtschaft verloren. Diese Abhängigkeit vom IWF ist nicht
populär, natürlich auch, weil sie mit hohen Auflagen, den argentinischen Staat zu
sanieren, verbunden ist. So wird Präsident Macri ein weiteres Argument haben,
um seine Pläne durchzusetzen, den Verwaltungsapparat zu verschlanken und weitere Subventionen
zu kürzen. Viele Argentinier werden sich das nicht gefallen
lassen.
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| Notgeld, das in den verschiedenen Provinzen gedruckt wurde, als kein Geld mehr erhältlich war. |


