Freitag, 22. Juni 2018

Das Gespenst der Inflation


In regelmäßigen Abständen geistert unsichtbar ein Schreckgespenst durch das Land. Es sorgt dafür, dass den Leuten das Geld in den Händen zerrinnt, dass Urlaubsreisen nicht stattfinden können und überhaupt, dass das Leben sehr schwer planbar ist. Die Inflation kommt in Schüben, plötzlich und heftig: Während Mitte Mai ein Euro noch 25 Pesos wert war, liegt er jetzt, Mitte Juni, schon bei 32 Pesos. 2017 betrog die Inflationsrate 25%, 2018 zur Mitte des Jahres beträgt sie schon 22%, obwohl Präsident Macri das Ziel verkündet hatte, sie auf 10% senken zu wollen. Weil die Preise natürlich entsprechend anziehen, heißt das für die Menschen, dass sie immer weniger in der Tasche haben, zumal die Löhne nicht automatisch angepasst werden. Auf meiner Arbeit gibt es im Februar eine Gehaltserhöhung von 10% und im Juni noch eine von 5%, sie liegt also niedriger als die Inflation. Entsprechend oft wird gestreikt: Für den 25. Juni ist ein Generalstreik angesetzt: keine Busse, Taxis, Flüge, Müllabfuhr, Banken und auch die öffentlichen Schulen werden bestreikt – ich bin mal gespannt.



Die Inflation kommt in Schüben

Präsident Macri hat es sich zum Ziel gesetzt, die Wirtschaft zu liberalisieren, Subventionen zu kürzen und die Staatsschulden abzubauen. So werden auch die Subventionen für Strom und Gas abgebaut. Gerade jetzt, wo die Inflation so stark zunimmt, werden Strom und Gas für alle teurer. Immerhin hat ein Gericht entschieden, dass man den Menschen, die ihre Rechnung nicht bezahlen können, das Gas nicht abstellen darf. Mal sehen, wie viele sich auf dieses Urteil verlassen.

Alte Geldscheine, die an vergangene Wirtschaftkrisen erinnern

Ein weiteres Schreckgespenst ist der Umstand, dass die Regierung den IWF um eine kräftige Finanzspritze von 50 Milliarden Dollar gebeten hat. Es kommen schlimme Erinnerungen an die Zeit von 2001 auf, als Argentinien eine Staatspleite verkünden musste und vom IWF und amerikanischen Hedge-Funds geknebelt wurde. Die Regierung weigerte sich damals, Schulden zurückzuzahlen, was das Land isolierte, weil ausländliche Investoren das Vertrauen in die Wirtschaft verloren. Diese Abhängigkeit vom IWF ist nicht populär, natürlich auch, weil sie mit hohen Auflagen, den argentinischen Staat zu sanieren, verbunden ist. So wird Präsident Macri ein weiteres Argument haben, um seine Pläne durchzusetzen, den Verwaltungsapparat zu verschlanken und weitere Subventionen zu kürzen. Viele Argentinier werden sich das nicht gefallen lassen.

Notgeld, das in den verschiedenen Provinzen gedruckt wurde, als kein Geld mehr erhältlich war.